Krieg und Frieden
Bei diesem Werk handelt es sich um eine urheberrechtsfreie Ausgabe.
Der Kauf dieser Kindle-Edition beinhaltet die kostenlose, drahtlose Lieferung auf Ihren Kindle oder Ihre Kindle-Apps. Alle Freunde der großen russischen Literatur des 19. Jahrhunderts müssen sich mit einer traurigen Wahrheit vertraut machen: Krieg und Frieden von Leo Tolstoi hat es nie gegeben! Es existieren nur verschiedene Fassungen, von denen die uns bekannte eine (mehr oder weniger bunte) Mischung ist.
Preis: [wpramaprice asin=“B004UBADB6″]
[wpramareviews asin=“B004UBADB6″]
[wprebay kw=“kindle“ num=“0″ ebcat=“-1″] [wprebay kw=“kindle“ num=“1″ ebcat=“-1″]



Mehr als ein historischer Roman,
Lew Tolstois Werk Krieg und Frieden ist, so sagen Literaturwissenschaftler, kein Roman im üblichen Sinne. Dafür enthalte er zu viel Geschichtsphilosophie und zu viel Militärgeschichte. Dafür fehle ihm ein roter Faden, ein erzählender Charakter, eine stringente Handlung. Seinem Umfang nach (1600 Seiten) wäre er dieser Kategorie aber sicher zuzuordnen. Obwohl das monumentale Werk trotzdem in Vielem einem Roman ähnelt, so ist es doch mehr als ein solcher.
Das Buch ist ein Porträt des russischen Adels am Anfang des 19. Jahrhunderts, genauer gesagt zwischen 1805 und 1820. Vor dem Hintergrund der Napoleonischen Eroberungsfeldzüge, insbesondere seines Einmarsches in Russland im Jahre 1812, beschreibt Tolstoi das Leben einer Reihe von Familien und Einzelpersonen dieser Schicht zwischen ihrem Alltag und den Anforderungen, die dieser Alltag und dieser Krieg, die das Leben selbst an sie stellt. Tolstoi blickt dabei auf die geschichtliche Entwicklung wie auf einen mal schneller, mal langsamer dahinfließenden Strom, in dem hier und da die Köpfe seiner Hauptfiguren auftauchen. Eine Zeitlang verweilt sein Blick bei dem einen, dann wieder schwenkt er zum anderen. Einige versuchen, gegen den Strom zu schwimmen, andere gehen darin auch unter. Einige verliert man aus dem Blickfeld. Dazwischen reflektiert Tolstoi über den Strom, das heißt die Geschichte, als solchen und darüber, wie man ihn beschreiben und interpretieren sollte. Das mag für einen Roman vielleicht untypisch sein, aber es ist sehr reizvoll.
Tolstoi ist ein sehr genauer Beobachter und schildert das Leben der Petersburger Gesellschaft, des Moskauer Adels, des Landadels und der Offiziere detailgetreu und in vielen Facetten. Selbst wenn die Handlung teilweise kaum fortschreitet, ja, wenn eine solche gar nicht zu erkennen ist, so folgt man den Hauptdarstellern doch mit Interesse und Aufmerksamkeit durch ihr Leben. Tolstois Sympathie gilt dabei den Menschen, die sich durch Natürlichkeit, Geradlinigkeit und Menschlichkeit auszeichnen, seine Verachtung und sein Spott gelten den Intriganten, den Karrieristen und denjenigen, die sich andauernd verstellen und die Fahne nach dem Wind hängen. Zur ersten Gruppe gehören auch die so genannten einfachen Menschen, die Bauern. Obgleich ihnen Tolstoi wegen ihrer Einfachheit und Natürlichkeit wesentlich mehr Zuneigung entgegenbringt als dem verdorbenen Adel, so neigt er doch nicht zu einer Idealisierung der Unterschicht. Er geißelt ihre Einfalt, ihre Dummheit und ihren Aberglauben. Und auch die Aufrechten, die der Adelsschicht angehören, sind keine übermenschlichen Heldengestalten. Es sind Menschen, die sich auf ihrer Suche nach Glück oder nach einem anderen Sinn des Lebens fortdauernd irren, die Fehler machen und die Schwächen haben: Ruhmsucht, Eifersucht und Härte gegen diejenigen, die sie am meisten lieben.
Wenn Tolstois Blick von den Einzelpersonen abstrahiert, wenn er über den geschichtlichen Prozess als Ganzen nachdenkt, dann fällt vor allem seine Kritik der zeitgenössischen Historiographie, insbesondere der Militärgeschichtsschreibung ins Auge. Gegen die Fixierung auf die großen Feldherren und Monarchen, insbesondere Napoleon und Alexander I., und auf militärstrategische Überlegungen, setzt er eine Militärgeschichtsschreibung, die den Krieg aus der Sicht der Offiziere und einfachen Soldaten beschreibt. Das ist kein Sandkastenspiel vom Feldherrenhügel aus, sondern eine grausame Schlächterei. Manch eine Schlacht habe sich ganz anders zugetragen, als uns die Geschichtsschreiber weismachen wollen, so Tolstoi. Man könne den Feldzug Napoleons gegen Russland und seinen Rückzug nicht verstehen, wenn man nur die Memoiren der Heeführer zur Erklärung heranziehe. Diese würden sich aus Eitelkeit und Ruhmsucht Entwicklungen anrechnen, die sich auch ohne ihr Handeln eingestellt hätten. Der russische Heeführer Kutusow gilt Tolstoi als einer der wenigen, der erkannt habe, wie wenig sich die geschichtliche Entwicklung von Einzelnen beeinflussen lasse und dessen Kriegführung deshalb einzig und allein auf zwei Prinzipien aufgebaut gewesen sei: Zeit und Geduld. Kutusosow wird damit nicht nur auf dem Schlachtfeld, sondern auch im Geiste zum Gegenspieler Napoleons, der in seiner Selbstüberschätzung tatsächlich geglaubt habe, die Weltgeschichte zu lenken. Nicht weniger wichtig ist für Tolstoi, dass Kutusow seine Soldaten schont, wo er kann, während Napoleon sie um seines eigenen Ruhmes willen gnadenlos verheizt. Voll Bitternis beklagt Tolstoi deshalb, wie Kutusow nach der Vertreibung Napoleons aus Russland von seinem Amt als Oberkommandierender entfernt wird, während Napoleon trotz seiner zahllosen Verbrechen noch immer als Großer gelte.
Napoleons gibt es jedoch auf russischer…
Weitere Informationen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
Missbrauch melden
| Kommentar als Link